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4
Genre
Tragikomödie
Regie
Thomas Vinterberg
Dauer
116
FSK
12
Land
Dänemark, Schweden, Niederlande
Jahr
2020

Der Rausch


»Was ist Jugend? Ein Traum. Was ist Liebe? Des Traumes ­Inhalt.« 
Bester Film, Bester Hauptdarsteller Mads Mikkelsen, Bestes Drehbuch und Beste Regie beim Europäischen Filmpreis. Bester ausländischer Film bei den Oscars und ebenfalls eine Regie-Nominierung für Thomas Vinterberg.  Wir zeigen den Film noch vor dem offiziellen Starttermin.

Wo immer Thomas Vinterbergs Film "Der Rausch" auch hinkommt: Überall wird er gefeiert. Er hätte 2020 in Cannes laufen sollen und trägt seitdem das Label dieses französischen Filmfestivals, war Publikumsliebling bei der Weltpremiere im kanadischen Toronto. Kurz lief er im Kino beim Filmfest Hamburg im Herbst und räumte beim Europäischen Filmpreis, beim Britischen Bafta und bei den Acdemy Awards ab.

Die Tragikomödie über vier mittelalte Männer, deren Leben mehr oder noch mehr zerfasert und unglücklich ist,  starten ein Experiment: Pegeltrinken. Und das Feuer zurück holen ins Leben. Und Buch darüber führen, wie es so ist mit dem Pegeltrinken und dem Feuer. das hat, wie sollte man es anders erwarten, recht zwiespältige Facetten.

Thomas Vinterberg ("Das Fest", "Die Jagd", "Die Kommune") über seinen eigenen Film im Interview mit epdFilm:

"Vor allem anderen sollte es ein Film werden, der das Leben feiert. Diese vier Männer sind etwas in die Jahre gekommen und haben auf dem Weg an Neugier und Lebenshunger verloren....."

und 

"Es geht um das Unkontrollierbare, das Unberechenbare. Dafür gibt es kaum Platz in unserem Alltag, das gilt für die heutige Jugend mehr denn je. Durch Smartphones und Soziale Medien herrscht eine permanente Verfügbarkeit und Präsenz; Ausbildung und Zukunft sind auf Jahre vorgeplant, nichts ist dem Zufall überlassen. Es gibt nur wenig, was außerhalb unserer Kontrolle ist. Die Liebe zum Beispiel. Wenn man sich verliebt, gibt es plötzlich etwas, das größer und mächtiger ist als man selbst. Oder in meinem Beruf: Gute Einfälle kann ich nicht erzwingen, sie kommen oder eben nicht, und es ist nicht klar, wie und woher. Wenn man nun ein Glas oder eine Flasche an seine Lippen setzt, geht man einen Vertrag ein, mit sich selbst und dem Unkontrollierbaren. Man betritt einen Raum und weiß nicht genau, was passieren wird. Und ich halte das für wichtig und notwendig. Man riskiert etwas, setzt etwas aufs Spiel, aktiviert kreative Freiräume. Darum geht es in »DER RAUSCH«, nicht bloß ums Trinken. Dieser Drang zum Kontrollverlust ist der Grund, warum viele Jugendliche trinken, sie fordern es als ihr gutes Recht ein in einem hochgradig organisierten Leben."

Das gesamte Interview gibt es hier

.

 

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.....und dann ging wieder der Vorhang auf.... Es wird kein Zufall sein, dass sich ausgerechnet eine skandinavische Filmproduktion dem Thema des exzessiven Alkoholkonsums widmet, nimmt doch der pro Kopf Konsum von Alkohol bei dänischen Jugendlichen eine Spitzenposition in Europa ein. So wird der Film in der Anfangs-und Endsequenz auch von einem exzessiven Trinkgelage eingerahmt und bildet damit das Korsett für ein Thema, dass dem Zuschauer in seiner Betroffenheit zwischenzeitlich viel abverlangt. 4 Männer im reiferen Alter, deren Leben durch Beruf und Familie abgenutzt erscheint, beschließen aufgrund eines philosophischen Zitats, sich einem scheinbar kontrollierbaren Experiment hinzugeben. Kann ein stetiger Alkoholpegel einem Menschen die Lebensfreude, die Anerkennung und die Lockerheit zurückgeben, um den Herausforderungen des Alltags und der Familie zu begegnen? Wir erleben, wie dieses Experiment die 4 Männer und Freunde eint und deren in die Oberflächlichkeit abgerutschte Freundschaft neu belebt. Die 4 an der gleichen Schule tätigen Lehrer erfahren eine fast nicht mehr gekannte Wertschätzung, insbesondere der Schüler, ohne das diese „Verwandlung“ ins Kitschige abrutscht. Als sie aber weitere Eskalationsstufen des Experiments und damit erhöhten Alkoholkonsum beschließen, stehen sie alle auf sehr unterschiedliche Art vor den Abgründen ihres Lebens. Der Zuschauer wird in einen Selbstfindungsprozess der 4 Hauptdarsteller gezogen und hat dabei die Möglichkeit, jederzeit distanziert zu bleiben. Sympathieträger sind nicht die Einzelnen, sondern vielmehr die Gruppe. Die schauspielerische Leistung ist reif, die Handlung straff und die heiteren und komischen Sequenzen runden das ambivalente Thema sehr angenehm ab-sehenswert.
Kammerspielkritiker Holger Friese
4
Der Film trägt seinen Titel, der ja in der deutschen Version Allgemeingültigkeit anmeldet, zu Recht. Vinterberg gelingt es wie in „Die Jagd“, Schmerzhaftes und Komik alternieren zu lassen. Der Film erzählt von der Vielgestaltigkeit seines Titelhelden, ohne ihn zu dämonisieren oder zu verharmlosen. Seine Schönheit liegt eventuell in diesem Punkt begründet.
Neues Deutschland
0
„Der Rausch“, und das macht ihn so unvergleichlich, schlägt sich auf keine der unversöhnlichen Seiten. Und verhalf Mads Mikkelsen zu einer Schlussszene, die für immer mit seinem Namen verbunden sein wird.
Die Welt
0
Thomas Vinterbergs großartiger Oscar-Film. Er ist eine Ode ans Leben geworden, eine Feier des menschlichen Schicksals, das nun mal ist, dass wir sterben müssen. Nichts ist für immer. Alles vergeht. Aber noch sind wir hier, das zu bezeugen. Auf das Leben! „Der Rausch" ist eine Feier des Lebens, ein todtrauriger, trunken vor Glück machender Film.
Süddeutsche Zeitung
0
Recht besehen, ist das riskante alkoholische Abenteuer nur ein umständlicher Liebesbeweis, und das macht den Film, trotz seiner grotesken und komödiantischen Elemente, so anrührend, dass man fast ein bisschen weinen könnte. (…) Regieleistung vollbracht, die im Wesentlichen darin besteht, selbst zarteste Regungen über die Gesichter seiner Darsteller wandern zu lassen. Diese Schauspielkunst ist grandios!
Die Zeit
5
Im besten Fall kann die Filmkunst eine Droge sein – das zeigt das fabelhafte Männerdrama. Als „Verneigung“ vor der Zaubermacht des Alkohols hat Thomas Vinterberg seinen Film konzipiert, der auf herzerfrischende Weise lange das Moralisieren meidet. Das Kunststück von „Der Rausch“ besteht darin, dass der Film die soziale, psychische und physische Giftwirkung alles Rauschmittel keineswegs bestreitet – und doch als Feier einer möglicherweise beschwipsten Lebenslust herrlich gute Laune verbreitet.
Der Spiegel
5
Die Versuchsanordnung des Films ist die eines kontrollierten Kontrollverlusts - mit dem tiefen Grundverständnis des No Risk No Fun Prinzips. Vier Lehrer in den besten Jahren sind arg gelangweilt von sich und ihrem Leben und beschließen, mit Alkohol ein bisschen Rausch in den drögen Alltag zu spülen. Den Dogmafilmer Thomas Vinterberg spürt man als Regisseur des Authentischen deutlich durch, während er die vier Gestalten durch ihre Ups and Downs auf der Achterbahn des Kontrollverlusts begleitet - beinahe zärtlich, dabei jedoch niemals verharmlosend, beobachtet er die Gratwanderung zwischen Glück und Untergang. Ein wirklich lohnenswerter Film, der beim zweiten Mal darüber nachdenken auch mit Blick auf das letzte Jahr ein paar Fragen auf der Metaebene aufwirft, zuvorderst: Ist ein Leben vollkommen ohne Gefahr und Rausch, unter Kontrolle und ohne Wahnsinn eigentlich lebenswert? Oder gehört der Makel der eigenen Entfesselung dazu, um sich zu spüren und das Leben zu lieben?
valeska
4