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4
Genre
Drama
Regie
Lee Isaac Chung
Dauer
116
FSK
6
Land
USA
Jahr
2020

Minari - Wo wir Wurzeln schlagen


Minari wird im deutschsprachigen Raum als "koreanische Petersilie" bezeichnet. Ein Gewächs, das schnell wächst und das nahezu überall. Eine warmherzige Geschichte über Entwurzelung und neues Anwachsen. Nominiert für sechs, ausgezeichnet mit einem Oscar für die Beste Nebendarstellerin Youn Yuh-jung - wir zeigen den Film vor dem offiziellen Starttermin.

Jacob beschließt, mit seiner koreanisch-amerikanischen Familie aus Los Angeles auf eine kleine Farm in Arkansas zu ziehen. Für ihn sind die wilden Ozarks das gelobte Land. Seine Frau und die beiden Kinder David und Anne fühlen sich jedoch fremd in der neuen Heimat. Als die schlagfertige, liebevolle Großmutter Soonja aus Korea zu ihnen zieht, wird das Familienleben plötzlich auf den Kopf gestellt. Soonja findet bald in ihrem neugierigen, aufmüpfigen Enkelsohn David einen Verbündeten. Zusammen gelingt es den beiden, das magische Band zwischen den Familienmitgliedern trotz aller Rückschläge und Schwierigkeiten immer wieder neu zu knüpfen und ihnen dadurch den Weg in eine hoffnungsvolle gemeinsame Zukunft zu ebnen.

Drehbuchautor und Regisseur Lee Isaac Chung, der als Sohn einer koreanischen Familie in Arkansas aufwuchs, erzählt mit MINARI – WO WIR WURZELN SCHLAGEN seine ganz persönliche Geschichte über das, was ein Zuhause wirklich ausmacht. Ein Drama, das trotz seiner Tiefe vor Humor und magischen, leichten Momenten strotzt. Nicht zuletzt durch Youn Yuh-Jung, die in der Rolle der charakterstarken Großmutter bereits unzählige Preise einsammeln konnte. In der Hauptrolle überzeugt „Walking Dead“-Star Steven Yeun als Jacob.

Rotten Tomatoes sagt:

98% Kritikerscore
88% Publikumscore

 

 

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Und dann ging wieder der Vorhang auf............ Die Ankündigung des Films „Minari“ im Programmheft der „Neuen Kammerspiele“ verrät auf den ersten Blick nicht viel über den Film. Warum gibt ein Unkraut-artiges, koreanisches Gewächs dem Film seinen Namen und ist verbunden mit den letzten gesprochenen Worten des Films doch so bedeutungsschwer? Der Film entführt uns in die USA der 80iger Jahre, als koreanische Einwanderer in hoher Zahl in die USA immigrierten, um dort ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Koreaner gelten als disziplinierte und vorbildliche Einwanderer. Die fast Kammerspiel-artige Inszenierung des Films zeigt eine junge vierköpfige Familie, die nach einer gescheiterten Existenz einen finanziellen aber auch familiären Neuanfang versucht und bei dem sich der Vater, neben der beruflichen Tätigkeit, den Traum von seinem „Garten Eden“ und einem landwirtschaftlichen Betrieb erfüllen will. Die harte Arbeit der Eltern und die Herzkrankheit des Sohnes lassen die familiären Konflikte aufbrechen und wirken auf den Zuschauer zu jeder Zeit authentisch und real und treiben dadurch die Handlung voran. Hilfe verspricht sich das Ehepaar von der aus Korea kommenden Oma der Kinder. Genauso wie die Familie in ihrem ländlichen Umfeld muß aber auch sie erst einmal in die Familie integriert werden. Der Mix aus Weisheit, Traditionen, Naivität, Disziplin und großmütterlicher Güte verleiht dem Film neue Facetten. Sie ist es, die die schnell wachsende Pflanze „Minari“ anbaut und damit einen krassen Gegenpol zu dem von harter Arbeit und Rückschlägen geprägten Farmprojekt des Vaters schafft. Sie schlüpft damit auch in die heimlich Hauptrolle und ihr obliegt es ebenfalls, das Schicksal der Familie nachhaltig zu wenden. Die in Deutsch synchronisierten Dialoge wirken an mancher Stelle zu kurz und sperrig. Mit Untertiteln versehene Originalpassagen scheinen wortgewaltiger zu sein, was dem Konfliktpotential in der Familie eher gerecht wird. Obwohl der Film vor gut 30 Jahren spielt greift er sehr aktuelle Themen auf. Einwanderung, Integration und die Knappheit der Ressource Wasser. Und wenn dann wieder der Vorhang, fällt bleibt man gerne noch berührt und nachdenklich zurück bis das Licht in unserem wunderschönen Kino wieder angeht. SEHENSWERT.
Kammerspielkritiker Holger Friese
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