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14.8.
  • 20:30
0
Genre
Thriller
Regie
Alfred Hitchcock
Dauer
112
FSK
12
Land
USA
Jahr
1954

Karten: 10 €, erm. 7 €

Happy Birthday Mr. Hitchcock! Das Fenster zum Hof (DF) im FLK@Studentendorf


Wir freuen uns, dass wir nach dem gelungenenen Berlinale Summer Special einige weitere Abende das atmosphärische Studentendorf Schlachtensee bespielen können. Wie gut, dass HItchcock am 13. August Geburtstag hat - so können wir dem Meister des subtilen Horrors ein kleines Geburtstagsfestival schenken - und uns natürlich auch! Wir zeigen den Film in der deutscher Fassung, beginnend um 20:30 Uhr. Bei schlechtem Wetter - und NUR DANN! - zeigen wir die Filme um 22:30 Uhr in den Neuen Kammerspielen. 

Der Film gehört unbestritten zu den Klassikern über eine der (Un)tugenden der Cinephilie: Voyeurismus. Doch kommentiert er 2021 auch eine aktuelle und gesellschaftlich relevante Situation: Den Lockdown. Was geschieht mit Menschen, deren Bewegungsfreiheit und Erfahrungsraum eingeschränkt wird auf die eigene Wohnung, einen einzigen Ausblick - und die eigene Fantasie? Wegen seiner Dialoglastigkeit zwischen Wonderful James und Gorgeous Grace zeigen wir diesen Film nicht in der englischen, sondern in der deutschen Fassung.

Hitchcocks Film DAS FENSTER ZUM HOF ist sowohl ein Thriller, als auch eine Romanze, ist sowohl ein klassischer Hollywoodfilm in absoluter technischer Perfektion, als auch ein äußerst moderner und sogar subversiver Film über Themen wie Voyeurismus und die besondere Faszination des Kinos an sich. Aber insbesondere ist REAR WINDOW ein Film, den anzusehen ganz einfach unheimlich viel Freude bereitet, und zwar immer wieder!

Die eigentliche Haupthandlung, die Hitchcock jedoch geschickt als eine Nebenhandlung tarnt, dreht sich schlicht darum, dass Jeff (James Stewart) zögert seine Verlobte Lisa (Grace Kelly) zu heiraten, da er Angst hat durch diese Heirat seine Freiheit und auch seine Identität als Abenteurer zu verlieren. So versucht er sich von Lisas zahlreichen Versuchen sein Herz zu gewinnen abzulenken, in dem er möglichst wenig auf diese achtet und statt dessen lieber aus dem Fenster blickt. Doch ironischerweise konfrontiert ihn absolut alles, was er dort beobachtet mit den Themen Beziehung, Ehe und Einsamkeit. Selbst die eigentliche Thrillerhandlung dreht sich um eine unglücklichen Ehe und führt somit sowohl zum Hauptthema des Films, als auch zur eigentlichen Haupthandlung zurück.

Doch mit dem für seine Entstehungszeit sicherlich recht typischen (Hollywood)Thema einer Beziehungsgeschichte ist die Themenvielfalt von REAR WINDOW noch bei weitem nicht erschöpft. Ein für seine Zeit äußerst subversives Thema, um das sich dieser Film ebenfalls dreht, ist das des Voyeurismus. Und hierbei handelt es sich nur scheinbar um den offensichtlichen Voyeurismus von Jeff. Denn das, was Jeff beobachtet, beobachtet auch der Zuschauer, und zwar genau aus der Perspektive von Jeff. Somit macht Hitchcock sein Publikum zu Komplizen und zwingt uns den verbotenen Blick in fremde Zimmer auf.

Aber auch dies ist nur scheinbar so, denn in Wirklichkeit bildet diese Geschichte nur den Blick des Kinopublikums in fremde Lebenswelten nach. Somit ist DAS FENSTER ZUM HOF der neben dem kurz darauf entstandenen PEEPING TOM der wohl wichtigste Film über das Kino an sich. Jeffs Voyeurismus ist unser Voyeurismus und genauso, wie er aus der Dunkelheit seines Apartments unerkannt in fremde, private Lebenswelten eindringt, so besteht auch ein Großteil des Kinovergnügens darin aus dem Schutze der Dunkelheit des Publikumssaals in fremde Welten einzudringen.

Auch das hiermit verbundene Thema der (A)Moral dieser Handlung wird von REAR WINDOW aufgegriffen. Denn ganz ähnlich, wie immer wieder diskutiert wird, was man sich eigentlich alles im Kino ansehen darf, so verwischt auch in diesem Film (zumindest zeitweilig) die Grenze zwischen Gut und Böse, und am Ende wird auch ganz direkt die Frage gestellt, ob der Spanner Jeff nicht der eigentliche Bösewicht ist. Somit ist DAS FENSTER ZUM HOF trotz all seiner eindeutigen Zeitgebundenheit ein auch noch heute erstaunlich moderner Film, der es erfolgreich geschafft hat, eine Reihe an ebenso interessanten, wie kontroversen Themen in einen ansonsten reinrassigen Hollywoodfilm einzuschmuggeln.

Bei all seinem verborgenen Tiefgang und seiner immensen Komplexität ist DAS FENSTER ZUM HOF aber auch ganz einfach ein durch und durch sympathischer Film. Es macht einfach (immer wieder) Spaß zusammen mit Jeff an lauen Sommerabenden in den Hinterhof zu schauen, insbesondere, wenn dabei oft noch leichte Jazzmusik - gespielt von einem der Nachbarn - erklingt. Auch die für Hitchcock so typische einzigartige Mischung aus Spannung und Humor ist in diesem Film absolut perfekt. Überhaupt ist dies ein Musterbeispiel für absolut perfektes Filmhandwerk. So genügt z.B. eine einzige Kamerafahrt durch Jeffs Zimmer zu Beginn, um die gesamte Vorgeschichte zu seiner jetzigen Situation zu umreißen.

REAR WINDOW ist ganz allgemein ein Musterbeispiel dafür, wie ein Filmemacher alleine durch Bilder nicht nur eine Geschichte, sondern auch die bei den Beobachtungen des Hauptdarstellers sich ergebenden Gedankengänge darzustellen vermag. Somit ist dies gleich in mehrfacher Hinsicht ein wahrer Metafilm. Der Zuschauer beobachtet Jeff beim Beobachten und sieht durch seine Augen, was dieser sieht und denkt. Somit führt uns DAS FENSTER ZUM HOF auf der einen Seite unsere eigene Rolle als Kinogänger klar vor Augen und zugleich auch wieder ungewohnt tief in den Kopf des (für uns selbst stehenden) Hauptdarstellers hinein. Somit gelingt Hitchcock bei aller äußeren Einfachheit ein Film, der nicht nur verschiedene Genres, sondern auch verschiedene Betrachtungs- und Realitätsebenen bis zur absoluten Unentwirrbarkeit verwebt.

Quelle: https://www.filmtipps.at/kritiken/Das_Fenster_zum_Hof/