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19.10.
  • 20:30 (3G)
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31.10.
  • 17:30 (2G)
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Genre
Groteske, Thriller
Regie
Johannes Naber
Dauer
108
FSK
12
Land
Deutschland
Jahr
2020

CURVEBALL - WIR MACHEN DIE WAHRHEIT


Wer es für unmöglich hält, dass internationale Krisen und sogar Kriege auf Lügen beruhen könnten, der wird in dieser grandiosen Politsatire voller Situationskomik und beruhend auf einer wahren Geschichte eines Besseren belehrt. „Die Wahrheit löst sich auf und alle finden es normal!“, zieht der geknickte Held frustriert Bilanz - aber keine Sorge - trotz aller Brisanz des Themas ist dieser Film die reinste Freude und feinste Unterhaltung.

Der deutsche Arndt Wolf (Sebastian Blomberg) hat ein ungewöhnliches Fachgebiet: Er ist Biowaffenexperte. Obwohl er für die UNO einen Kontrollauftrag durchgeführt hat, ohne etwas zu finden, hält er innerlich an dem Gedanken fest, dass Saddam Hussein im Irak Massenvernichtungswaffen besitzt. Doch für die meisten seiner Mitmenschen ist dieses Thema (noch) uninteressant.

Erst als ein irakischer Asylsuchender behauptet, an der Biowaffen-Herstellung mitgewirkt zu haben, erhält Arndt neue Anhaltspunkte für seine These. Der Bundesnachrichtendienst verpasst dem Informanten Rafid Alwan (Dar Salim) den Codenamen Curveball und holt Arndt Wolf hinzu, um die Glaubwürdigkeit von dessen Aussagen einzuschätzen. Im Klima der Anschläge des 11. Septembers spitzt sich die Lage zu und obwohl sich eine ungewöhnliche Freundschaft entwickelt, geraten die Dinge bald außer Kontrolle und nehmen ein Eigenleben an.

 

 

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....und dann ging wieder der Vorhand auf, auch, um dem geneigten regionalen Zuschauer nach ca. der Hälfte des Films die Beleidigung auf eine Berliner Institution zuzumuten. Nämlich, dass eine Currywurst mit Pommes nicht nur wie Milzbrand aussieht, sondern auch so schmecken würde. Noch weit vor den Anschlägen des 11. September und dem Feldzug der USA gegen den Irak sind UN-Inspektöre im Irak unterwegs, um mögliche Verstöße ( nämlich der Produktion des Milzbranderregers) gegen das Chemiewaffenabkommen zu untersuchen. Als ein irakischer Flüchtling in Deutschland vorgibt, Mitarbeiter eben dieses Waffenprogramms zu sein, wird der bundesdeutsche Nachrichtendienst in Person eines Chemiewaffenexperten tätig. Die SPD-geführte Regierung unter Kanzler Schröder steht der zunehmend aggressiven Haltung der USA in Nahost skeptisch gegenüber und möchte zumindest durch nachrichtendienstliche Fakten beim Verbündeten punkten. Als die Zweifel an der Geschichte des Irakers zunehmen, nimmt die Geschichte ihren grotesken Lauf. Unwahrheiten werden zu Fakten stilisiert, Fakten werden missbraucht, um Fake-News zu produzieren, um am Ende die Weltgemeinschaft hinter das Licht zu führen. Die Geschichte ist schlüssig erzählt, Zeitsprünge werden durch dokumentarische Bildsequenzen plausibilisiert und die Schauspieler bewegen sich durch diesen grotesken Plot mit einer sehr willkommenen witzigen Note. Situationskomik hier und da geben dem Film eine Leichtigkeit, um angesichts der „wahren Geschichte“ nicht zu stark an Politik und Diplomatie zu zweifeln. Der Film macht Freude und nachdenklich zugleich und es bleibt am Ende die Frage, ob man nun die ganze Wahrheit gesehen hat? Sehenswert!
Kammerspielkritiker Holger Friese
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