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Genre
Animation
Regie
Jared Bush, Byron Howard
Dauer
102
FSK
0
Land
United States
Jahr
2021

Encanto


„Encanto“ ist einer der besten Disneyfilme der letzten Jahre. Er steckt voller Leben, überzeugt mit ungeheurer Detailverliebtheit und Figuren voller Ecken und Kanten und die Protagonistin Mirabel schließt man ab der ersten Sekunde ins Herz. 

Seit Generationen lebt die Familie Madrigal in den Bergen Kolumbiens in einem kunterbunten, magischen Haus, das allen Nachkommen der wortkargen Matriarchin Abuela jeweils eine andere besondere Gabe verleiht. Nur der quirligen Mirabel wurde dieses Geschenk verwehrt, weshalb sie sich zwischen ihren zauberhaften Schwestern, Tanten, Cousins und Cousinen mitunter deplatziert fühlt. Als sie sich eines Tages darum sorgt, dass das Madrigal-Familienheim vom Einsturz bedroht sein könnte, stellt sich deshalb auch die Frage: Spielt sich Mirabel einfach nur auf oder ist sie tatsächlich die einzige, die die warnenden Zeichen an der Wand sehen kann?

So entsteht ein mitreißender Strudel der Gefühle – in der einen Sekunde will man noch gemeinsam mit Mirabel ihre muskulöse Schwester Luisa schelten, weil sie sie in einem Moment des familieninternen Zwists nicht stützt, obwohl sie stillschweigend auf ihrer Seite steht. In der nächsten will man Luisa am liebsten tröstend in den Arm nehmen und ihr zuflüstern, dass sie sich nicht dauernd überanstrengen sollte. Und wieder kurze Zeit später weiß man nicht, wohin mit den Gefühlen, weil das Mitleid für Luisa weiterhin besteht, sie aber Mirabel durch eine unglückliche Wortwahl nur noch größeren Ärger mit Abuela einbrockt. 

Solche Momente der Unentschlossenheit ziehen sich durch den gesamten Film und versetzen das Publikum somit sehr effektiv in die Schuhe Mirabels, die ebenso stolz auf ihre Familie ist wie von ihr frustriert. Darüber hinaus ist es den Filmschaffenden gelungen, mit ihrer ebenso gewitzten wie gefühlvollen Reflexion über konfliktbehaftete Familienbande und generationenübergreifende Verantwortlichkeit trotz aller spezifischen Details eine universell gültige Geschichte zu entwerfen. Insbesondere die Kurzschlussreaktionen innerhalb der Madrigal-Familie, wann immer weniger rosige Zukunftsaussichten angerissen werden, hat universellen, ja sogar tagesaktuellen Charakter. 

Ganz gleich, ob es um gesundheitliche oder ökologische Fragen geht: Unentwegt werden auch in der realen Welt jene, die vor anstehenden Katastrophen warnen und zügiges Handeln einfordern, damit sich das Unglück noch abwenden lässt, derart angefeindet, als seien sie es, die das Elend heraufbeschworen haben. Der vernünftigere Umgang mit Warnungen ist nur eine von vielen Lektionen in „Encanto“. 

Da all diese Aussagen nicht nur mit Herz und Witz vermittelt werden, sondern sich zudem stets organisch aus den charaktergesteuerten Missverständnissen sowie Konflikten ergeben, wirkt dieses kreative Musical niemals moralinsauer. Stattdessen präsentieren Howard, Bush und Smith eine schlichtweg mitreißende, fabelhaft gestaltete, musikalisch mitreißende Familiengeschichte, die in allererster Linie für sich spricht – dass sie mit derartiger Tragweite nachhallt, ist dabei schlicht ein willkommenes Vermächtnis der Madrigals. 

Fazit: Wunderschöne Bilder, mitreißende Songs und eine Filmfamilie, die man trotz (oder gerade wegen) ihrer Ecken und Kanten tief ins Herz schließt: „Encanto“ ist in vielfacher Hinsicht bewegendes Animationskino, das sich auch vor den großen Disney-Klassikern nicht zu verstecken braucht.