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12.10.
  • 22:00
0
Genre
Erotischer Thriller
Regie
Park Chan-wook
Dauer
145 Minuten
FSK
16
Land
Südkorea
Jahr
2016

DIE TASCHENDIEBIN


Der wundersame, fein gesponnene Film aus hypnotischen Bildern entfesselt ein brillantes Spiel um Verführung und Verbrechen.

In seinem Thriller "Die Taschendiebin" entfesselt der koreanische Meisterregisseur Park Chan-wook ein brillantes Spiel um Verführung und Verbrechen, in dem auch die Zuschauer wunderbar getäuscht werden.

Es ist ein gewaltiges Anwesen, in das die junge Sookee (Kim Min-hee) als Hausmädchen einzieht. Ein Anwesen, das sich in elegante Speisesäle, winzige Schlafkammern und eine düstere Bibliothek verästelt. Halb viktorianisch, halb traditionell japanisch erscheint es wie Kintsugi-Porzellan, zusammengekittet aus den Scherben zweier Kulturen. 

So wie das Haus mehrere Epochen der Architektur in sich vereint, so führt auch "Die Taschendiebin" verschiedene Fragmente zusammen: Die Geschichte des virtuosen Thrillers entstammt Sarah Waters im viktorianischen England angesiedelten Roman "Solange du lügst", doch Park Chan-wook verlegt sie in das japanisch besetzte Korea der Dreißigerjahre den 20. Jahrhunderts, das er in opulentem Szenenbild und nicht minder akribisch gearbeiteten Kostümen präsentiert.

Im Mittelpunkt der Intrigen steht Lady Hideko. Sie lebt seit ihrer frühen Kindheit unter dem Diktat ihres Onkels Kouzuki (Jo Jin-woong). In seiner Bibliothek zwingt er sie zu "erotischen" Lesungen, die er für wohlhabende japanische Gäste veranstaltet. Einst war es ihre Mutter, die diese Demütigung erdulden musste - bis sie sich ihr durch Suizid entzog. Nun rezitiert Hideko pornografische Literatur für die geifernden Aristokraten, die sich von ihren Rängen aus schwitzend am Schauspiel ergötzen.

Einer dieser Aristokraten ist der Betrüger Fujiwara (Ha Jung-woo), der sich als japanischer Graf ausgibt. Sein Blick ist sowohl auf Hidekos in einen Seidenkimono gehüllten Körper als auch ihr Vermögen gerichtet: Er will das Erbe ihrer Mutter, das allein Hideko und ihrem künftigen Ehemann zusteht. Um die Lady zu verführen und nach der Heirat über ihr Erbe zu verfügen, schleust Fujiwara Sookee ein, die als Dienstmädchen seinem Plan den Weg ebnen soll. 

Doch Sookee beginnt selbst ein Verhältnis mit Lady Hideko - die nun von zwei Schwindlern umworben wird. Sukzessive verschmelzen dabei Verbrechen und Verführung. Die anfängliche Konstellation der Figuren formt sich zu einem Beziehungsdreieck, das Park aus ständig wechselnden Perspektiven inszeniert. Die damit einhergehenden Wendungen der Geschichte sind dabei so präzise gesetzt, dass der Zuschauer selbst dem Betrug aufsitzt: Nie ist klar, wer wen begehrt, wer wen betrügt oder wer wen beobachtet. 

Als einzige Konstante erweist sich im doppelbödigen Spiel der Voyeurismus, der als zentrales Element des Films alle Abzweigungen der Geschichte mitgeht. Dabei interessiert sich Park weniger für die Erregung des Beobachters, als das Gefühl, beobachtet zu werden. Eine andauernde Beklemmung liegt über dem Anwesen. Stets spürt man den Blick eines Fremden auf sich.