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Genre
Dokumentarfilm
Regie
David Sieveking
Dauer
100
FSK
0
Land
2017
Jahr
D

EINGEIMPFT - FAMILIE MIT NEBENWIRKUNGEN


Impfen oder nicht? Diese Debatte erhitzt weltweit die Gemüter. Regisseur David Sieveking zeichnet in seinem Dokumentarfilm die langwierige Entscheidungsfindung über die Impfung seines neugeborenen Kindes nach und bietet sowohl ungewöhnliche Denkanstösse wie auch unterhaltsame Einblicke in den turbulenten Alltag einer jungen Familie.

David Sieveking wird zum ersten Mal Vater: Er und seine Partnerin werden Eltern einer gesunden kleinen Tochter. Neben dem neuen Familienglück müssen sie sich nun allerdings auch mit der Frage der Impfungen auseinandersetzen. Die meisten Ärzte empfehlen, Kinder schon mit zwei Monaten gegen alles Mögliche zu impfen, um späteren Krankheiten vorzubeugen. Doch Skeptiker fragen nach der Notwendigkeit dieses Vorgehens.

David will natürlich nur das Beste für sein Kind - doch was ist das Beste? Er beginnt, sich eingehender mit der Thematik zu beschäftigen, um Fakten und Mythos voneinander zu trennen. Dabei führt ihn seine Recherche von seinem Zuhause durch ganz Europa bis nach Westafrika. Als eine Masern-Epidemie ausbricht, muss das Paar sich endgültig entscheiden.

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„Would you know my name… …if I saw you in heaven ?“, ist die Anfangszeile des wohl persönlichsten Songs Eric Claptons, in dem er den Tod seines Sohns betrauert. Auch andere Künstler versuchen Verluste ihrer Kinder durch Kreativität zu verarbeiten, wie zum Beispiel der deutsche Dichter Friedrich Rückert (1788-1866). Er verlor zwei seiner sechs Kinder durch Scharlach, und schrieb zur Aufarbeitung über 400 (!) Gedichte, die sogenannten „Kindertotenlieder“. Eindrücklicher kann man die Trauer von Eltern wohl kaum beschreiben. Fünf dieser Gedichte wurden von Gustav Mahler zwischen 1901 und 1904 für Singstimme und Orchester vertont. Der Komponist, Dirigent, und langjähriger Leiter der Wiener Hofoper, verlor ebenfalls sechs seiner elf Geschwister, und musste als Vater den Verlust einer Tochter beklagen, die 1907, zwei Jahre nach der Uraufführung der Kindertotenlieder, im Alter von fünf Jahren an Diphtherie starb. Aber ob es Eltern jemals wirklich gelingt, über den Tod ihrer Kinder hinwegkommen? Als Zivildienstleistender habe ich die 2 Jahre meines Zivildienstes gegen Ende der 1970er Jahre in einer Einrichtung für Schwerstbehinderte absolviert. Für einen erheblicher Teil der dort betreuten Kinder und Jugendlichen war ihr Leben schon vorbei war, bevor es richtig begonnen hatte. Sie hatten u.a. erworbene Hirnschäden, regelmäßig aufgrund zu später oder falscher Therapien diverser Infektionserkrankungen, regelmäßig wegen fehlendem Impfschutz. Vor einiger Zeit war ich in Portugal, in Lissabon. Dort gibt es eine Totenstadt, „Cemitério dos Prazeres“ . Ein Friedhof, der so ganz anders ist, als die, die wir in Deutschland kennen. Dort werden die Särge der Verstorbenen einer Familie – oft über mehrere Generationen hinweg – nicht in der Erde bestattet, sondern in kleinen Mausoleen aufgebahrt. Wenn man sich die Zeit nimmt, in einige der üblicherweise mit einer gläsernern Tür versehen Häuschen zu schauen, wird man – vor allen in den älteren Gebäuden – Kindersärge sehen, oft mehrere, meist in unterschiedlichen Formaten, nicht selten kaum größer als Schuhkartons. Jeder dieser viele Jahrzehnte alten Särge ist eine eindrückliche Mahnung, sich bewusst zu werden, dass die moderne Medizin – besonders durch Infektionsprophylaxe und die antibiotische Therapie – hochwirksame Wege gefunden hat, die Kindersterblichkeit zu reduzieren. Lag die Sterblichkeitsrate etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts bei 25-35 % eines Jahrgangs, beträgt diese heute 0,3 – 0,4 % (BRD 2006, 3,8 Todesfälle auf 1000 Lebendgeburten). Nur zum Vergleich: In Afrika lag die Todesrate im 1. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts bei 171 je 1000 Geburten, in Südostasien bei 78 je 1000 Geburten. Jeweils mehr als 50% der Todesfälle wurden dabei durch Infektionskrankheit verursacht. Die enorme Verbesserung der Chancen eines Kindes, das Erwachsenenalter zu erreichen, ist in erster Linie auf drei Faktoren zurück zu führen: Auf eine deutliche Verbesserung des Wohlstandes der Bevölkerung, auf hohe soziale und hygienische Standards, und vor allem, auf eine leistungsfähige Kinderheilkunde. Eines der mächtigsten Mittel gegen Krankheit, Behinderung und Tod im Kindesalter ist die Impfung. Impfen ist eine der am besten untersuchten Vorgehensweisen der Medizin. Es gibt riesige Datenmengen und eine enorme Anzahl von wissenschaflichen Untersuchungen, die den Erfolg dieser Maßnahme belegen. Und es gibt kein Zweifel: Impfen schützt (Kinder)Leben! Jedoch gerade dieser vorbeugende Schutz, der Millionen Menschenleben gerettet hat, wird schon lange durch eine kleine Gruppe von verantwortungslosen Ideologen massiv diskreditiert, die gezielt falsche Informationen streuen, um gerade bei jungen Eltern Ängste zu erzeugen. Das Ergebnis ist nicht nur fatal, und führt zu solchen Machwerken wie VAXXED, dem anthroposophischen VAXXED-Abklatsch „A Man Made Epidemic“ - oder eben dieser Selbstbespiegelung des Herrn Sieveking, dessen verfilmte Beziehungskrise dummerweise auf unterschiedlichen Auffassungen zu einem Thema beruht, von dem er weder Ahnung hat, noch sich wirklich echte Mühe macht, dieses Defizit zu beheben. Das Ergebnis: Großhirnrinde vs. limbisches System 0:1 Weil Sieveking aber nicht der Einzige ist, der die Kapitulation der Großhirnrinde nicht bemerkt (Robert Koch oder Paul Ehrlich sei Dank, verfilmen jedoch nicht alle ihren kognitiven Aussetzer), müssen wir uns in Deutschland derzeit mit solchen Meldungen auseinandersetzen, wie sie mit schöner Regelmäßigkeit in den Fachpublikationen wie dem „Deutschen Ärzteblatt“ zu lesen sind: Impfmüdigkeit in Europa: Masern auf dem Vormarsch Kopenhagen – Deutschland gehört zu den fünf Masernhochburgen in Europa, auf die einer Studie im Lancet (2009; doi: 10.1016/S0140-6736(08)61849-8) zufolge 85 Prozent aller Masernerkrankungen entfallen. Die verbreitete Impfmüdigkeit in der Bevölkerung verhindert, dass das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Europa bis 2010 von den Masern zu befreien, noch erreicht werden kann. Wenn man sich mit Sievekings Machwerk beschäftigt, muss man sich zwangsläufig darüber Gedanken machen, wie sich dieses Szenario "Impfkritik/-gegnerschaft" im angeblich augeklärten Europa entwickeln konnte? Dabei kommt man nicht an der Einsicht vorbei, dass gerade die wesentlichen Vertreter der sogenannten „Alternativmedizin“ besonders aktiv in Sachen Impfgegnerschaft sind, sieht man von einigen fragwürdigen Gestalten, die entweder über genügend kriminelle Energien verfügen, oder deren Argumentation eine ausgewachsene Paranoia reflektieren, ab. So ist es dann auch keine Wunder, dass der Film Zustimmung fast ausschließlich aus dieser Szene erhält. Vor allem den Vertretern der homöopathischen und der anthroposophischen (naja) Heilkunde, kann man ruhigen Gewissens als Brandstifter apostrophieren – ich jedenfalls mache das. Während die Homöopathen mit dem geistigen Erbe ihres Begründers Hahnemann leben müssen, der, wie auch alle anderen seiner Zeitgenossen vor rund 250 Jahren, nur sehr geringe Kenntnisse über die Pathologie von Infektionskrankheiten hatte, und dementsprechend das Überleben einer solchen dem segensreichen Wirken von wirkstoffbefreiten Zuckerkugeln in die Schuhe schob, liegt bei den Anthroposophen die Sache ein wenig anders: Sie verkünden ein Krankheitsverständnis, dass auf okkulten Vorstellungen beruht – und bei dem gutes und schlechtes Karma eine bedeutsame Rolle spielt. Ich will den Unfug hier nicht weiter ausführen, aber wie bedenklich die kruden Vorstellung der Anthroposophie sind, zeigt sich an solchen Verhaltenweisen wie der Impfverweigerung im Umfeld der Waldorfschulen und -kindergärten. Bringen wir es auf den Punkt: Hier wird - ausschließlich aus ideologischen Gründen - Kindern eine der wichtigsten medizinischen Vorsorgemaßnahme vorenthalten. Dies hat zwangsläufig Folgen: In den letzten Jahren kam es in Schulen und Kindergärten, die von Anthroposophen betrieben werden, beispielweise immer wieder zu epidemischen Ausbrüchen von Infektionskrankheiten wie der Masern, deren Gefahrenpotential heute außer Zweifel steht, denkt man nur an die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die immer tödliche Spätfolge einer Maserinfektion… Man möchte, ich jedenfalls mache auch das, David Sieveking viele Albträume an den Hals wünschen. Albträume, die sich darum drehen, wie viele Kind wegen dieses Films ungeimpft bleiben, und, mangels Impfschutz, durch eine impfpräventable Infektion dauerhaft geschädigt werden, wenn nicht an dieser sterben. Aber eigentlich spielt die Quote keine Rolle: ein einziges Opfer allein würde schon ausreichen… Letztlich ist Sievekings Machwerk eine Bankrotterklärung, seine ganz persönliche, mit der in aller Öffentlichkeit demonstriert, dass er nicht nur von den Prinzipien wissenschaftlicher Arbeitsweise keine Ahnung hat, sondern auch nicht verstanden hat, dass das hehre journalistische Ziel der Ausgewogenheit zur Lachnummer wird, wenn man Feuerwehrleute und Brandstifter an einen Tisch setzt, damit diese, völlig losgelöst von rechtlichen oder ethischen Grundsätzen, sich darüber austauschen können, was denn für und gegen eine gezielte Abfackelung genutzten Wohnraums spricht. Was nämlich dabei herauskommt, wenn dem Daten-Mount Everest weltweit erhobener Evidenzdaten zum Impfen, der Kreuzberger Spielplatzhügel nicht verifizierter Außenseitermeinungen „ausgewogen“ und vor allem „gleichwertig behandelt“ gegenübersteht, ist mal mindestens der Verlust der Entscheidungsfähigkeit. Hätte sich Sieveking mit Verstand, am besten noch mit Sachverstand, dem Thema genähert, hätte er nach 3 (!) Jahren Recherche feststellen müssen, dass die Belege für den Nutzen der Impfprophylaxe die überwältigendsten sind, die es in der Medizin gibt, und jede gedankenlos eingeworfene Aspirintablette ein statistisch höheres Nebenwirkungsrisiko hat, als eine Impfung. Nein. Stattdessen glaubt Sieveking allen Ernstes, für seine kognitiven Dissonanzen eine salomonische Lösung gefunden zu haben: Er lässt tatsächlich seine Kinder jeweils selektiv unterschiedlich impfen – was mit Sicherheit, zumindest aus medizinischer Sicht, das Verrückteste ist, was man überhaupt machen kann. Der Herdenschutzgedanke hat ohnehin im ganzen Film irgendwie keine Rolle gespielt, aber jetzt wirft ihn Sieveking sogar noch familienintern über Bord. Er realisiert beides nicht: weder den Gedanken des Individual- noch den des Herdenschutzes. Sieveking trifft mit seiner selektiven Wahl von Impfungen gleichzeitig eine selektive Wahl von Krankheitsrisiken - zu Lasten des geplagten Nachwuchs. Es tut mir leid, es so sagen zu müssen, Sievekings beziehungsorientierte Kompromisslösung gefährdet Leben. Das ist der Egoismus der Blöden, der ganz besonders Blöden, die Denken sich nur noch um Ihre Befindlichkeiten dreht. Also dieser Egoismus, den man überlicherweise nur dort erlebt, wo Mensch schon lange nichts mehr außerhalb ihrer Echokammer wahrnehmen. „Eingeimpft“ ist 90 Minuten Irrweg und Irrtum, von dem der unbefangene Zuschauer leider nichts mitbekommt, sondern das übliche Verschwörungsraunen mit nach Hause nimmt. Werte Crew der Kammerspiele: Ich will Euch zum Abschluß zwei Zitate um die Ohren hauen! "Aus jedem Besuch des Kinos komme ich bei aller Wachsamkeit dümmer und schlechter wieder heraus." (Adorno, Minimal Moralia) The first principle is that you must not fool yourself and you are the easiest person to fool. (Richard P. Feynman) Ihr sollte diese Hinweise bei der Programmgestaltung berücksichtigen. Ulrich Maas - Berlin-Zehlendorf
Ulrich Maas
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Aus "Der Spiegel" vom 7.09.2018: „Er könnte durchaus lustig sein, wenn er nicht so gefährlich wäre. Der Film "Eingeimpft" erzählt eine absurd-komische Geschichte darüber, wie seltsam sich geschlechtsreife Großstädter verhalten, wenn sie Kinder kriegen. Ärgerlich nur, dass der Berliner Regisseur David Sieveking, der darin seine eigenen Familienkonflikte rund ums Impfen ausschlachtet, unter der komödienhaften Oberfläche Halbwahrheiten verbreitet und Ängste schürt.“
Volker Liebe / Impfbefürworter
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Aus der Süddeutschen Zeitung vom 29.08.2018: Der Film „Eingeimpft“ wirkt auf den ersten Blick nett und ehrlich. Tatsächlich aber sät er unnötig Zweifel und bestärkt damit Impfgegner. .... Für seine „kritische“ Betrachtung wählt er Beispiele, die wissenschaftlich längst eingehend untersucht und kommentiert worden sind. .... Breiten Raum gibt Sieveking etwa dem Impfgegner Klaus Hartmann und dem angeblichen Skandal um den Sechsfachimpfstoff Hexavac. Dabei lässt er entscheidende Teile bewusst aus – „und zwar so, wie es Impfgegner gerne haben. Mit einem großen Fragezeichen hinter dem Verdacht, anstelle der ganzen Geschichte“. .... Auf diese Weise […] sät der Filmemacher Zweifel am Fundament aufgeklärter Gesellschaften: an den Fakten nämlich. Dabei sind die für gute Rechercheure nicht schwer zu entdecken. Ja, Impfungen haben Nebenwirkungen. Es gibt in sehr seltenen Fällen auch Impfschäden, die anerkannt werden müssen. Doch wer einen ganzen Film lang hauptsächlich nach Risiken und Nebenwirkungen fragt und Legenden nährt, übersieht allzu leicht das eigentlich Wichtige: Impfungen retten Leben. Sie haben es schon millionenfach getan. Und wer sein Kind impft, setzt es keinem Risiko aus. Er senkt es.
Volker Liebe / Impfbefürworter
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Volker Liebe / Impfbefürworter
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Aus der Zeit vom 11.09.2018: "Anti-Impf-Lobbyismus statt Aufklärung Recherchen zum Film "Eingeimpft" zeigen: Der Regisseur David Sieveking lässt extreme Impfgegner zu Wort kommen. Er scheint kein Problem mit Interessenkonflikten zu haben. Der Regisseur sucht in dem Dokumentarfilm ... nach einer Antwort auf die Frage, ob und mit welchen Impfungen er seine Kinder versorgen soll. Objektivität darf man dabei indes nicht erwarten. Sievekings Arbeitsweise zog schon heftige Kritik auf sich, als vor wenigen Wochen das Buch zum Film erschien. So sagte die Psychologin Cornelia Betsch ZEIT ONLINE, Sieveking verschweige den wissenschaftlichen Konsens und lasse vor allem abseitige Stimmen zu Wort kommen. Er nehme eine völlig falsche Perspektive ein, die Zweifel säe und damit Verschwörungstheorien Vorschub leiste. Aber wem genau hat Sieveking eigentlich zugehört? Wem gibt er in seinem Film Raum, die eigene Position darzulegen? Eine Recherche von ZEIT ONLINE zeigt: Im Film kommen Personen als vermeintlich unabhängige Experten zu Wort, die Gelder von Anti-Impf-Lobbyisten erhalten, die wiederum Impfungen mit dem Holocaust vergleichen." Mein Resümee: In DEN Film werde ich gewiss nicht reingehen. Sorry, liebe Valeska.
Volker Liebe / Impfbefürworter
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